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Mutmach-Menschen. Von Down Zero to Hero

Was genau macht uns diesen scheinbar schwierigen Weg zur Krisenbewältigung eigentlich so schwer? Was genau machen Menschen am Wendepunkt? Wie gehen sie vor? Die Beantwortung dieser Frage bin ich schon lange auf der Spur. Und es berührt mich, wie unterschiedlich die Menschen damit umgehen, und es doch dann irgendwie hinbekommen.

Die Eigenschaft Mut und ihre Umsetzung in mutiges Verhalten sind individuell so unterschiedlich angelegt und nicht für alle Lebensfelder und Situationen gleichermaßen abrufbar. Beide aber sind erlernbar und als Merkmal einer ausgereiften Persönlichkeit wie für ein selbstbestimmtes Leben erforderlich und gehören zur aktiven Krisenbewältigung dazu. Ein Muss sozusagen.

Das bedeutet, dass wir fähig sind etwas zu wagen und uns beispielsweise in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben. Diese kann eine aktivierende Herausforderung darstellen, wie der Sprung von einem Fünfmeterturm ins Wasser oder die Bereitschaft zu einer schwierigen beruflichen Prüfung. Oder der Überwindung von unsicheren, krisengeschüttelten Situationen. Mut in einer Situation zu zeigen, muss sich nicht immer zwingend auf etwas tatsächlich Gefährliches beziehen.

Mutmach-Menschen

In unserem Wendepunkt-Coachcast stellen meine Kollegin Insa Löll und ich Ihnen unsere neue Rubrik Mutmach-Menschen vor. Was genau machen wir da? Und wie genau definieren wir Mutmach-Menschen? Was sind Mutmach-Menschen? Und was machen sie anders bzw. aus unserer Sicht richtig?

In regelmäßigen Abständen kommen in unserem Wendepunkt Coachcast Menschen mit ihren persönlichen Geschichten zu Wort. Sie haben Krisen bewältigt, den „Reset“ Knopf in ihrem Leben gedrückt und einen Neuanfang für ein glückliches Leben gewagt. Diese Rubrik hat ein großes Ziel: Sie soll uns allen Mut machen.

Den Anfang macht Jens. Jens war erfolgreicher Manager bis zu dem Tag, als es nicht mehr ging: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, innere Leere – Jens war an Burnout erkrankt. In dieser Folge erzählt er ehrlich, ungeschminkt und sehr emotional, wie er diese Krise gemeistert hat, was er erlebt hat und wie er es geschafft hat, jetzt ein erfülltes Leben als selbstständiger Unternehmer zu führen.

Auf den Punkt: Hier geht es um Menschen, die es geschafft haben, sich den Krisen des Lebens zu stellen und erfolgreich zu managen. Sie erzählen uns von ihren Wendepunkten und wie sie den Weg aus der Krise Schritt für Schritt überwunden haben. Sie verraten uns Ihre Stellschrauben, über die Andere vielleicht auch ans Nachdenken kommen.

Unterstützung in Krisenzeiten

Uns geht es darum, anderen Menschen in Krisenzeiten Mut zu machen und zu animieren, Ihren Weg zu gehen. Aus diesem Grund vertrauen uns Menschen Ihre persönliche Geschichte an. Sie erzählen uns, wie Sie Ihren Weg gegangen sind und beschönigen nichts. Unsere Absicht ist es – und das ist uns eine Herzensangelegenheit – durch diese Geschichten, die das Leben schreibt, Anderen Mut zuzusprechen, um ein selbstbestimmtes und glückliches Leben zu führen. Frei von Ballast, eingefleischten Glaubenssätzen, queren Denkansätzen und fremdbestimmtem Verhalten.

Aus der Essenz all dieser Geschichten ist unser Wendepunkt Projekt entstanden. Und unser aktiver Willen und unsere Leidenschaft, Sie und Andere zu unterstützen, Mut aufzubringen die Kurve nach unten wieder in die Senkrechte nach oben zu biegen. So, wie es eben Jens geschafft hat. Sein Thema: Burnout, bei dem sich Menschen stark überlastet fühlen, sich deshalb zurückziehen und weniger engagieren, ist kein Einzelschicksal. Mittlerweile bezeichnet es oft jede Art von „Ausgebranntsein“, auch durch Überlastung im Privatleben oder eine fehlende Work-Life-Balance.

Zwar ist ein Burnout in Deutschland keine offizielle Krankheitsdiagnose, doch viele Menschen in Psychotherapie klagen über entsprechende Symptome wie große Erschöpfung und Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen und eine geringe Stresstoleranz. Die gute Nachricht ist, wenn man dem dahinter gelegenen Thema wirklich auf den Grund geht, dann gibt es sehr gute Heilungschancen. Dazu braucht es natürlich auch Mut.

Um so wichtiger zu zeigen, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Diagnose gelernt haben zu leben und auch einen Neuanfang gewagt haben. Und das sehr erfolgreich.

Mut ist wichtig, es zu wagen aber schwer

Nach Ansicht des Schweizer Fachpsychologen für Psychotherapie Andreas Dick besteht Mut aus folgenden Komponenten: Eine Gefahr, ein Risiko oder eine Widerwärtigkeit auf sich nehmen bzw. eine Sicherheit oder Annehmlichkeit opfern, was möglicherweise den Tod, körperliche Verletzung, soziale Ächtung oder emotionale Entbehrungen zur Folge haben kann.

Oder eine mit Klugheit und Besonnenheit gewonnene Erkenntnis darüber, was in einem bestimmten Moment richtig und was falsch ist. Auch Hoffnung und Zuversicht auf einen glücklichen, sinnvollen Ausgang und ein freier Willensentschluss. Sie entscheiden darüber, welchen Weg Sie gehen. Zwingend wichtig ist jedoch, den unbedingten Willen und Mut aufzubringen.

Und natürlich manchmal auch den Anschubser von außen. Alle Grundformen des Mutes kommen meist zum Einsatz. Physischer Mut, dessen Gefahr in einer möglichen Schädigung von Leib und Leben besteht. Moralischer oder sozialer Mut, dessen Gefahr in einer möglichen sozialen Ausgrenzung besteht. Oder psychologischer oder existenzieller Mut, dessen Gefahr in einer möglichen Destabilisierung der Persönlichkeit besteht. Wir entscheiden unseren Weg, jetzt und immer. Unsere Entscheidungskraft für uns spielt dabei eine ganz wichtige Rolle.

Bewährte Methoden für die Entscheidungsfindung

Gefühle sind keine Behinderung bei der Entscheidungsfindung. Sondern ein integraler Bestandteil davon. Gefühle sind schnell. Unseren frühesten Vorfahren haben sie als automatische Reaktion dazu gedient, in lebensbedrohlichen Situationen blitzschnell, aber unbewusst, überlebenswichtige Entscheidungen zu treffen. Ohne Gefühle lässt sich – wissenschaftlich bewiesen – nicht entscheiden. Selbst wenn die Entscheidungen höchstrationaler Natur sind. Menschen mit schweren Verletzungen in der für das Gefühlsleben erforderlichen Hirnregion sind nicht in der Lage, selbst einfache und alltägliche Entscheidungen zu treffen.

Recherchieren bedeutet auch, eine Entscheidung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Die Darstellung von alternativen Entscheidungsmöglichkeiten übt einen Rahmeneffekt auf einzelne Entscheide aus. Das Hirn versucht, ein der Entscheidung übergeordnetes Referenzsystem aus allen Entscheidungsoptionen zu bilden, einen „Rahmen“, der dann zu einer unbewussten Bewertung der einzelnen Entscheide führen kann.

Dieser Rahmen kann wertvoll sein. Nämlich dann, wenn ein alternativer Blickwinkel ganz bewusst diesen Rahmen erweitert und auch Argumente und Sichtweisen berücksichtigt, die man auf den ersten Blick und von vornherein schon als Negativargumente bei der Entscheidungsfindung zu erkennen glaubt. Auch das gehört zum Menschen: Wir suchen nicht Widerspruch. Sondern instinktiv nach Bestätigung für das, was wir schon zu wissen glauben. Übereinstimmende Argumente gewichtet unser Hirn unreflektiert höher, als solche, die uns zu einer Gegenposition zwingen würden.

Superoptimierung ist kein Weg: Gut ist gut genug.

Wer unendlich viele Informationen zur Verfügung hat und eine unendliche Menge an Wahlmöglichkeiten besitzt, trifft die schlechteren Entscheide als derjenige, der mit begrenzten Informationen limitierten Optionen gegenüber steht. Grenzen Sie daher Ihre Recherche ein. Dieser Effekt ist als Wahlparadoxie bekannt. Die Wahlparadoxie trifft ganz besonders die Gruppe der Maximierer. Das sind diejenigen Menschen unter uns, die immer und überall die beste Wahl treffen und perfekt entscheiden wollen. Der Druck, die zumindest theoretisch beste Wahl treffen zu wollen, führt beim Entscheider zum regelmäßigen „Umsturz“ bereits gefällter Entscheide. Instabilität und Chaos sind die Folge.

Nicht nur der Zwang nach Orientierung bestimmt das Verhalten des Menschen. Sondern auch die Angst. Wir wägen automatisch ab, ob ein Entscheid einen Gewinn „bringt“ oder einen Verlust bedeutet. Gewinn oder Verlust können ideeller Art sein. Oder eine materielle Natur haben.Fies dabei ist, dass der westliche Mensch – wie unterschiedliche Studien belegen – seine Verlustängste viel höher gewichtet, als die Lust am Gewinn. Wer einer Wahl gegenüber steht, bei der er mit gleichem Risiko gleich viel verlieren oder gewinnen kann, entscheidet sich deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit dafür, kein Risiko einzugehen!

Erst wenn der hypothetische Gewinn den potenziellen Verlust um Faktor 2 übersteigt, wird ernsthaft abgewogen. Viele Entscheidungen in diesem Bereich sind daher keine Entscheidungen. Sondern in den Worten der Psychologie sog. affektive Prognosen. Sie sind getrieben von Angst, statt von neutraler Betrachtung der Handlungsoptionen. Entscheider sollten sich vor diesem Hintergrund hinter die Ohren schreiben, was für erfolgreiche Produzenten und Start Ups selbstverständlich ist: Das größte Risiko im Leben besteht oftmals darin, kein Risiko einzugehen.

Der erfahrene Entscheider wird in einer Situation, in der er die Folgen seiner Entscheidung fürchtet, nicht sofort entscheiden. Sondern zuerst eine vertraute Person in seinem Umfeld, die in einer vergleichbaren Situation bereits so entschieden hat, wie es der Entscheider zu tun gedenkt, dazu befragen, wie dieser die Folgen erlebt hat. Und erst dann für sich persönlich die Wahl zu treffen.

Dem Bauchgefühl vertrauen

Tom Manings war einer der ersten Fallschirm-Instruktoren weltweit, der seine Schüler im Freifall ausgebildet hat. Vorher mussten angehende Fallschirmspringer zuerst eine Anzahl Sprünge an einer Reißleine absolvieren, die den Fallschirm sofort nach dem Absprung aus dem Flugzeug automatisch öffnete. Manings hatte die Maxime: „Wenn du im Extremsport nicht sicher bist, ob die Bedingungen gut genug sind, damit du den Tag überlebst, sind die Bedingungen nicht gut genug.“ Erst wenn das Bauchgefühl stimmte, gab es für ihn Anlass, eine Handlungsoption auch rational zu hinterfragen.

Kein Entscheider, kein Manager argumentiert jedoch gerne mit seinem Bauchgefühl. Das Zusammenspiel von Komplexität, Zeitdruck und Entscheidungsqualität im Zusammenhang mit dem Bauchgefühl wird deshalb immer mehr zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Bereits belegt werden konnte: Je komplexer die Entscheidung, desto besser sind Entscheidungen, die instinktiv getroffen werden.

Im Zweifel keine Wahl treffen

Entscheiden heißt wählen und die Wahl, die wird getroffen. Von einem selbst oder von Umständen und Faktoren, die ohne eigenes Zutun stattfinden. Wer eine Tätigkeit oder Funktion ausübt, bei der die aktive Entscheidungsfindung zum Berufsbild oder zum Aufgabenprofil gehört, wird gute Gründe brauchen, um eine Entscheidung auf die lange Bank zu schieben, statt aktiv an die Hand zu nehmen. Auch die ebenso oft wie gerne praktizierte Taktik, einen eigenen Entscheid durch Rückdelegation an andere Stellen zu umgehen, ist selten karrierefördernd. Das Mantra der Managerklasse der neunziger Jahre („Stelle sicher, dass gute Entscheide dir zugeschrieben werden – und schlechte Entscheide deinem Gegner“) trägt im Zeitalter flacher Hierarchien und sozialer Medien nicht mehr zur Akzeptanz von Führungskräften bei.

Anders sieht es aus, wenn über eine Problemstellung mit allen Beteiligten und Anspruchsgruppen diskutiert wird. Dies, um dann zu beschließen, keinen Entscheid zu fällen. Sich bewusst gegen eine Wahl oder gegen eine Lösung eines Problems zu entscheiden ist in vielen Fällen besser, als sich festzulegen ohne vorher über die Optionen diskutiert zu haben.

Entschieden ist entschieden

Wir leben vorwärts und erkennen rückwärts. Entschieden ist entschieden. Nur wenige Entscheide haben unumstößliche Folgen, die dann – weil unumstößlich – auch nicht mehr zu ändern sind. Und darum nach einer Analyse auch keine Energie mehr binden dürfen. Denn ob richtig oder falsch, gut oder schlecht, einfach oder schwer, eines ist sicher: Der nächste Entscheid, der wiederum Energie kosten wird, kommt bestimmt. Deshalb ist eines ganz besonders wichtig: Verzichten Sie auf Ausreden und entscheiden Sie.

Vielleicht finden Sie sich darin wieder? Vielleicht treibt es Sie an? Lassen Sie es uns auf jedenfall wissen. Wir freuen uns über jede Art von Feedback oder Zuspruch. Oder Sie stellen Ihre Geschichte vor? Schreiben Sie uns! Oder rufen einfach an. Wir freuen uns über jede Rückmeldung.

Coachcast Folge 7:  Mutmachmensch Jens- From Ground Zero to Hero

Imagefilm Musik: Walking on Air von Frametraxx